Platooning – autonomes Fahren für Lkw

Smart Trucks – was die Vernetzung von Fahrzeugen für Lkw und Straßenverkehr bedeutet

Platooning für Lkw – werden die Staus auf Autobahnen bald kürzer?
Foto: gettyimages
12. September 2017 - in Häfen & Logistik


Digitale Fahrerassistenzsysteme ermöglichen jetzt schon autonomes Fahren. Auch Lkw sind davon betroffen. Das Fahren auf Autobahnen könnte sich bald grundlegend ändern.

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#Platooning – autonomes Fahren für Lkw

Die Welt der Mobilität ändert sich rasant. Aus Verbrennungsmotoren werden E-Autos und digitale Fahrerassistenzsysteme ermöglichen autonomes Fahren. Diese digitalen Innovationen betreffen auch Lkw. Das Fahren auf Autobahnen könnte sich bald grundlegend ändern – durch vehicle-to-vehicle, kurz: V2V.Hin und wieder träumen Lkw-Fahrer davon, kleine Pausen einlegen zu können, während sie fahren – und trotzdem ihr Pensum zu schaffen. Was bisher nur ein Traum war, könnte für Berufskraftfahrer nun Realität werden: Ein „Platooning“ genanntes System für den Straßenverkehr automatisiert das Lkw-Fahren. Ursprünglich beschreibt das Wort einen militärischen Zug. Übertragen auf den zivilen Bereich beschreibt Platooning,  dass Fahrer den Lkw dann nicht mehr selbst steuern – ein technisches System übernimmt. Dadurch können Lkw in sehr geringem Abstand zueinander fahren. 

Möglich wird die Verwirklichung dieses Traums durch V2V – die Kommunikation von Fahrzeug zu Fahrzeug (vehicle-to-vehivle). Die vernetzten Fahrzeuge werden mit einer elektronischen Deichsel aneinander gekoppelt. Über WLAN senden sie Daten von Radar- und Kamerasystemen an die nachfolgenden Lkw. Diese lenken, bremsen oder beschleunigen dann automatisch entsprechend.

Platooning ist eine Variante des autonomen Fahrens. Wie groß das Potenzial ist, zeigt eine aktuelle McKinsey-Studie: Sie kommt zu dem Schluss, dass 2025 bereits ein Drittel aller Nutzfahrzeuge vollautonom fahren könnte.

Autonome Lkw könnten damit noch vor selbstfahrenden Pkw Realität auf deutschen Straßen werden.

Platooning hat vielfältige Vorteile für Verkehrsfluss und Umwelt

Beim Platooning fahren Lkw mit Hilfe ihrer technischen Fahrassistenz- und Steuersysteme im Abstand von etwa zehn bis fünfzehn Metern. Der erste Fahrer in der Kolonne bestimmt Tempo und Richtung. Die Lkw fahren zwar autonom, haben aber grundsätzlich jeweils einen Fahrer an Bord, der jederzeit übernehmen kann.

Platooning hat verschiedene Vorteile:

  • verbesserter Verkehrsfluss bei hohem Verkehrsaufkommen
  • Kraftstoffeinsparung der Lkw von bis zu zehn Prozent – und damit auch eine geringere Co2-Emission
  • verringerte Unfallgefahr

Die aktuellen technischen Möglichkeiten erlauben einen unmittelbaren Start von Platooning auf öffentlichen Straßen. Bevor autonomes Fahren von Nutzfahrzeugen aber tatsächlich flächendeckend möglich ist, muss der Gesetzgeber den entsprechenden rechtlichen Rahmen schaffen. Denn sowohl die Daten- wie auch die Verkehrssicherheit muss gewährleistet sein.

Erste Pilotprojekte testen Platooning unter Alltagsbedingungen 

Erste Tests unter Alltagsbedingungen für die neue Technologie haben bereits begonnen: Das Logistikunternehmen DB Schenker und der Nutzfahrzeughersteller MAN testen Platooning in einer Kooperation unter Alltagsbedingungen in einer Langzeitstudie. Ein erster Platoon startete 2016 erfolgreich im Rahmen der „European Truck Platooning Challenge 2016“, die für einige Teilnehmer auch über Bremen führte. Und 2018 soll ein regelmäßiger Lkw-Platoon auf der Autobahn A9 zwischen Nürnberg und München fahren. DB Schenker wird den Platoon außerdem auf seinem Werksgelände in Nürnberg einsetzen.Das Bundesverkehrsministerium fördert das erste Lkw-Platooning-Projekt auf öffentlichen Straßen mit 2 Millionen Euro. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von der Fresenius Hochschule.

Auch in Singapur werden Tests durchgeführt

Ähnliche Versuche mit Platooning gibt es auch in anderen dicht besiedelten Ländern. Denn dort gibt es Gründe, die Platooning besonders attraktiv machen. In Singapur beispielsweise herrscht zusätzlich zu einer extrem hohen Verkehrsdichte auch ein akuter Fahrermangel. Daher werden auch hier Testläufe durchgeführt. Allerdings bestehen Konvois in Singapur aus vier Lkw, von denen der erste einen Fahrer an Bord hat, während die nachfolgenden Fahrzeuge fahrerlos sind. Diese Technik soll in Singapur unter Umständen auch im Pkw-Verkehr zum Einsatz kommen.

Lkw als Teil des Internets der Dinge

Daten, die ein Truck senden und empfangen kann, bieten zudem neue Potenziale für eine Steigerung der Effizienz für Logistikunternehmen.Speditionen dürften große Hoffnungen mit dem Platooning verbinden. Denn noch immer sind in Europa 25 Prozent aller gefahrenen Lkw-Kilometer Leerfahrten.

Eine bessere Vernetzung der Daten, die zu einer optimalen Auslastung der Kapazitäten führt, ist aus Sicht von Speditionen daher wünschenswert.

Doch Vernetzung verringert nicht nur Standzeiten und Leerfahrten. Digitale Kontrollsysteme überprüfen zudem die komplette Technik der Lkw und führen die Werkstattsuche und Organisation des Wartungstermins durch.

Risiken des Platoonings müssen vorab gründlich geprüft werden

Wenn weiterhin immer mehr Lkw auf den Straßen fahren, müssen Lösungen für einen verbesserten Verkehrsfluss gefunden werden – Smart Trucks sind hier ein Ansatz. Doch einige Fragen müssen noch geklärt werden, bevor Platooning flächendeckend eingesetzt wird. Die Sicherheit des Systems muss zweifelsfrei feststehen, um eine Gefährdung der Verkehrsteilnehmer auszuschließen. Außerdem müssen Brücken beispielsweise auf ihre generelle Belastbarkeit geprüft werden. Diese darf nicht überschritten werden – was bei dicht fahrenden Platoons durchaus problematisch werden könnte. Bis diese Fragen geklärt geklärt sind, müssen Berufskraftfahrer noch ein Weilchen vom entspannten, autonomen Fahren träumen.

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