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Die „Eskimos“ von Bremerhaven

Quelle: BLG
01. Dezember 2015 - in Wissenswert

Das größte gewerbliche Kühlhaus in Bremerhaven wird von Lüder Korff (Jahrgang 1957) und seinen rund 40 MitarbeiterInnen betrieben. Der Geschäftsführer des BLG Coldstore ist gelernter Groß- und Außenhandelskaufmann und Absolvent der höheren Handelsschule. Nach etlichen Jahren praktischer Berufserfahrung in verschiedenen Gegenden Deutschlands fand der gebürtige Norddeutsche schließlich wieder an die Küste zurück und ist hier seither in der Tiefkühllogistik engagiert.

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#BLG

„Als ich damals entschlossen war, unbedingt wieder an die Küste zu wollen, schaltete ich Anzeigen in Bremen, Bremerhaven und Cuxhaven und schon nach wenigen Tagen meldeten sich mehrere Interessenten. Die Bremerhavener Kühlhäuser suchten einen neuen Betriebsleiter für das Kühlhaus im Fischereihafen. Das sagte mir am meisten zu und ich bekam 1989 den Job. Es gab zu dem Zeitpunkt noch die Bremerhavener Kühlhäuser GmbH (Gesellschafter BLG und Bremer Landesbank), die 1990 zum Gemeinschaftsunternehmen Bremerhavener Kühlhäuser Frigoscandia GmbH mit den Partnern BLG und Frigoscandia umfirmierte. Die BLG besaß das Eigentum am  Kühlhaus am Containerterminal und Frigoscandia das im Fischereihafen. Weitere Kühlhäuser waren in Bremerhaven und Bremen angemietet.

Das BLG-Kühlhaus war komplett 10 Jahre an die US Army vermietet, doch als  sich die Amerikaner nach und nach aus Deutschland zurückzogen und den Pachtvertrag für das Kühlhaus 1995 kündigten, musste eine  neue geschäftliche Basis  gefunden werden. Dies gelang auch zügig: Wir haben den Vorteil der optimalen Lage am Containerterminal im Freihafen zu nutzen gewusst und schnell neue Kunden gefunden, die unser Kühlhaus als Pufferlager für Importe aus aller Welt nutzten.

Am 1. Dezember 2000 dann wurde die Bremerhavener Kühlhäuser Frigoscandia aufgelöst. Die beiden Gesellschafter  verabschiedeten sich im Guten aus dem Joint Venture. Die BLG behielt das Kühlhaus am Containerterminal, das seitdem als BLG Coldstore Logistics firmiert und Frigoscandia das im Fischereihafen.

Gemeinsam mit meinem Vorgänger Klaus Becker gelang es damals ziemlich gut, das BLG-Kühlhaus gewerblich zu nutzen und neue Kunden zu finden. 2002 verabschiedete er sich in den Ruhestand und ich konnte die Geschäftsführung übernehmen. Die Funktion als Dienstleister erfüllt mich ganz, nachdem ich zuvor immer nur in Produktionsbetrieben gearbeitet hatte. Ich bin eben nicht nur ein Mann des Nordens, sondern auch Dienstleister aus tiefster Seele. Wir sind ein zentrales Bindeglied in der Versorgung einerseits der Produzenten, die größtenteils in Übersee angesiedelt sind, und andererseits der Produktionsindustrie und des Handels in Deutschland und Europa. Immer, wenn ich viele Produkte im Einzelhandel sehe, die zuvor zumindest teilweise durch unsere Hände gegangen sind, fühle ich mich einfach gut, bin sogar ein bisschen stolz.

Wir haben im Coldstore nach mehreren Erweiterungen heute knapp 30.000 Palettenplätze für Kühl- und Tiefkühlgüter. Unsere Stärken sind die verkehrsgeografische Position direkt am Containerterminal Bremerhaven und unsere besondere Kompetenz für Importe aus Drittländern. Wir übernehmen neben der klassischen Lagerung viele periphere Aufgaben, die bei Im- und Exporten notwendig sind. Ein weiterer großer Vorteil ist, dass die veterinärmedizinische und pflanzliche Kontrollstelle bei uns im Haus untergebracht ist.

Unsere  Hauptlagergüter sind Fisch, Geflügel und Fleisch, aber auch Obst und Gemüse sind bei uns zu finden. Die ständige Arbeit in den Kühl- und Tiefkühllagern bei bis zu minus 22 Grad Celsius, teilweise verbunden mit den permanenten Temperaturwechseln, ist schon eine große körperlich Belastung. Ich bin zwar auch immer mal vor Ort in der Kälte, aber die Arbeit meiner MitarbeiterInnen sehe ich mit großem Respekt. Die Eskimos vom Coldstore sind schon ein starkes Team.

Trotz des heftigen Wettbewerbs in unserer Branche sehe ich den Coldstore mittelfristig wirtschaftlich auf sicheren Füßen. Ich betrachte es als eine meiner Aufgaben, das Geschäft auch längerfristig zu stabilisieren. Das ist eine besondere Herausforderung, denn als Dienstleister können wir weltwirtschaftliche Veränderungen gar nicht beeinflussen und Entwicklungen in Teilmärkten allenfalls marginal. Wir müssen eben immer wieder mit optimaler Qualität und hoher Dienstleistungstiefe überzeugen. Ich unterhalte enge und partnerschaftliche Kontakte zu unseren Bestandskunden und ich akquiriere auch sehr gerne neue Geschäfte in Deutschland und der Welt. Der Kundenkontakt ist das A und O in unserem Geschäft.

Kraft, Ruhe und Gelassenheit schöpfe ich aus meinem regelmäßigen Lebenswandel und unserem Haus im Grünen. Es liegt zwar etwas abseits auf dem Lande in der Nähe der Nordseeküste und die Infrastruktur ist eher mager, dort finde ich aber gerade aufgrund der Ruhe Zeit zum Entspännen und zum Lesen von klugen, gut geschriebenen Romanen, zum Beispiel von Frank Schätzing. Unterwegs kommen aber auch Hörbücher zum Einsatz. Ich treibe seit Jahren regelmäßig Sport, hauptsächlich im Fitness Center. Auch hier gehören mp3-Player und Kopfhörer zur Standardausrüstung, denn ohne Hörbücher wäre es mir zu langweilig. Sport in Kombination mit den Hörbüchern tut mir einfach gut. Manchmal belohne ich mich aber auch mit einem Schluck guten Wein oder mit einem edlen Single Malt Whisky aus Schottland oder Irland.“

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