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Containerreparatur – so werden Container wieder reisefertig gemacht

Friedrich Tiemann reinigt, repariert, lagert und belädt Container

Schweißarbeiten an einem Container bei Fa. Friedrich Tiemann, Bremen
Foto: Friedrich Tiemann
15. August 2017 - in Häfen & Logistik

Container müssen bei ihren Reisen einiges aushalten. Bis zu ihrem nächsten Einsatz werden sie beim Bremer Unternehmen Friedrich Tiemann gereinigt, repariert, gelagert und beladen. Im Gespräch erläutert der Vorsitzende des Beirates Dieter Kanning, was bei der Containerreparatur zu beachten ist.

Container, so weit das Auge reicht – was machen Sie hier bei Tiemann mit all den Containern, Herr Kanning?

An unseren beiden Standorten in Bremen und Bremerhaven finden Kunden alles unter einem Dach: Container-Depot, Reinigung, Wartung und Reparatur, unsere Frachtstation sowie einen Bereich für spezielle Exportverpackungen.

 

"Wir führen sämtliche Arbeiten am Container aus, die zwischen zwei Transporten liegen"

Kürzlich haben wir auch in Wilhelmshaven eine Fläche direkt am Terminal des Jade-Weser-Ports reservieren lassen und den Bauantrag für eine Containerwerkstatt eingereicht.

Wir bieten für Betreiber sämtliche Services rund um den Container an. Tatsächlich ist manchmal bereits die Reinigung des Containers aufwendig: Es finden sich mitunter Ladungsreste oder Verunreinigungen, von denen eine Gefahr für Mensch oder Umwelt ausgeht und die als Sondermüll entsorgt werden müssen. Wir haben dazu spezielle Waschplätze für Container mit einer Anlage für die Abwasseraufbereitung. Das Wasser durchläuft verschiedene Filter und Abscheider und hat danach fast Trinkwasserqualität.

Auch für die Reparatur braucht es eine spezielle Expertise – neben den handwerklichen Fähigkeiten. Wir übernehmen all diese Aufgaben für den Betreiber.

Wie kommt es zu Schäden am Container?

Beim Umschlag und Transport eines Containers, kann immer etwas passieren. Die Traglast eines Standard-20-Fuß-Containers kann bis zu 30 Tonnen Gesamtgewicht betragen. Auf einem Containerschiff werden dann bis zu neun Lagen Container übereinander gestapelt. Damit sind die Ecksäulen des untersten Containers einer Belastung von 270 Tonnen ausgesetzt! Auch die dynamische Belastung ist enorm, etwa wenn der Container am Terminal mit der Brücke angehoben wird. 

Allerdings sind Container insgesamt heute in einem besseren Zustand. Das ist auch die Folge eines besseren Handlings. Weltweit sind die Anlagen besser geworden. Früher wurden Vollcontainer noch mit normalen Staplern gefahren. Das findet man heute kaum noch, dafür gibt es Van Carrier oder Reachstacker.

Hinzu kommt, dass sich der Anschaffungspreis für Neucontainer reduziert hat. Betreiber lassen Großschäden daher nicht mehr reparieren, sondern ersetzen ihre Container schneller.

Welche Schäden weisen Container nach dem Transport typischerweise auf?

Etwa vierzig Prozent der Container, die bei uns eintreffen, müssen repariert werden. Oft sind es kleinere Schäden, beispielsweise defekte Türbeschläge oder Gummidichtungen. Doch auch das setzen wir instand, denn die Türen müssen licht- und wasserdicht sein, weil sich im Container hochwertige Ladung befindet, die geschützt werden soll – andernfalls kommt es zum nächsten Schaden.Aber auch Verformungen oder Beschädigungen der Wände oder der Bodengruppe kommen vor – und wir reparieren sie.

Wir sind außerdem spezialisiert auf die Reparatur von Kühlcontainern. Die Kühlaggregate müssen zuverlässig funktionieren, damit die Ladung während der gesamten Reise bei vorgeschriebener Temperatur gekühlt bleibt.


Ab welchem  Schadensumfang  muss ein Container repariert werden?

Das ist letztlich eine Sicherheitsfrage. Die Convention for Safe Containers, die Deutschland bereits 1972 ratifiziert hat, regelt den Betrieb von Containern detailliert. Der Betreiber ist verpflichtet, den Container während der gesamten Laufzeit sicher zu halten.

"Von einem Container darf zu keiner Zeit Gefahr für Menschen oder Ladung ausgehen."

 

 

 

Wir bieten ein Container-Depot für Reedereien und haben mit ihnen Vereinbarungen, dass wir jeden eingehenden Container daraufhin überprüfen, ob er den Richtlinien entspricht. Ist das nicht der Fall, reparieren wir ihn fachgerecht.

Containerhandling mit einem Reachstacker bei Friedrich Tiemann, Bremen
Foto: Friedrich Tiemann

Wie laufen Inspektion und Containerreparatur ab?

Jeder Container wird sofort, nachdem er bei uns am am Gate ankommt, komplett geprüft. Wir geben die Information über mögliche Schäden in unser System ein und übermitteln sie an den jeweiligen Eigner. Er erhält einen Kostenvoranschlag mit einer Auflistung aller festgestellten Schäden sowie unseren Reparaturempfehlungen. Bei größeren Schäden schicken Betreiber mitunter einen Besichtiger, der entscheidet, ob wir reparieren sollen.

Spricht er sich bei gravierenden Schäden trotz unserer Empfehlungen gegen eine Reparatur aus, so wird der Container bei uns im System als nur teilrepariert vermerkt – und geht als beschädigt raus.

Wir sind im BCSB (Bundesverband der Container-Servicebetriebe e.V.) organisiert. Gemeinsam arbeiten wir aktuell daran, Schulungen für Inspektoren zu etablieren. Unser Ziel ist, dass Inspektoren die Container nach einem einheitlichen Standard prüfen. 

Es gibt zahllose Containervarianten – gestaltet sich die Reparatur da nicht schwierig?

Für den Betrieb von Containern gibt es eindeutige Richtlinien. Die Basis ist die ISO 1496, nach der alle heutigen Container gebaut werden. Sie schreibt beispielsweise vor, dass bei Reparaturen grundsätzlich gleichwertiges oder höherwertiges Material verwendet werden muss. Wenn wir etwa an einer Ecksäule ein Teilsegment neu einsetzen, muss das Material mindestens die gleiche Qualität haben wie das Original. Es gibt unterschiedliche Stahlqualitäten, bei den Ecksäulen ist es hochfester Stahl: QST 52-3. Er kann kalt geformt, das heißt gepresst werden.

In der Praxis sind Ecksäulen individuell designt. Es gibt entsprechend viele verschiedene Profilarten, und wir müssen jeweils ein identisches Profil setzen. Das Profil wird von uns gekantet. Auch die Materialstärke muss mindestens gleich sein. Durch die Belastungen des Containers während des Umschlags und Transports ist dies unbedingt notwendig, um die anschließende Stabilität zu gewährleisten.

Für die Bodengruppe gibt es eigene Anforderungen. Ein Container ist für eine bestimmte Last entwickelt worden, daher muss immer die korrekte Anzahl Bodenträger vorhanden sein. Die Lastenverteilung variiert zwar je nach Beladung. Doch auch wenn der Container anschließend leichter beladen wird, müssen alle Bodenträgern da sein. Wir sind als Fachbetrieb verpflichtet, einen Container in den Zustand zu versetzen, in dem er die volle Last tragen kann.

Wenn ein Schaden schon auf dem Schiff oder am Terminal erkannt wird – reparieren Sie dann auch vor Ort?

Hin und wieder bekommen wir einen Anruf, weil es einen Notfall am Terminal gibt. Beispielsweise wenn am Container in der Bodengruppe etwas gerissen ist und der Umschlag damit nicht ohne Risiko durchführbar ist. Kunden wünschen dann, dass wir die Reparatur direkt am Terminal durchführen. Doch das müssen wir ablehnen: Beladene Container reparieren wir nicht, weil wir nicht wissen, wie feuergefährlich die Ladung ist. Bei Schweißarbeiten kann nie hundertprozentig ausgeschlossen werden, dass ein Funke in den Container gelangt. Der Container muss daher erst entladen und kann anschließend repariert werden. Kleinere Reparaturen ohne Schweißarbeiten führen wir natürlich auch direkt am Terminal durch – etwa das Auswechseln eines Türverschlusses oder ähnliches. 

Welche Qualifikationen muss ein Fachbetrieb für Containerreparatur bieten?

Die wichtigste Voraussetzung ist geschultes Personal. In Bremen und Bremerhaven haben wir dafür insgesamt etwa 60 Mitarbeiter.

Unsere Mitarbeiter, die Schweißaufgaben durchführen, haben gültige Schweißzeugnisse, die alle zwei Jahre erneuert werden. Dies führen wir durch in Kooperation mit der Technischen Hochschule Bremen und dem DSV (Deutscher Verband für Schweißen und verwandte Verfahren e.V.) Für beide Betriebe haben wir einen zertifizierten Schweißfachmann als Aufsichtführenden.

Zusätzlich lassen wir uns schon seit Jahren regelmäßig auf freiwilliger Basis vom Germanischen Lloyd zertifizieren. Der Germanische Lloyd prüft dafür unsere Containerwerkstätten und die Mitarbeiter. Friedrich Tiemann ist ein vom Germanischen Lloyd zertifizierter Fachbetrieb für die Containerreparatur. 

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Kanning!

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