Bremen sichert Hafenzukunft mit Millionen-Investitionen

Quelle: bremenports
16. Dezember 2015 - in Häfen & Logistik

"Die gegenwärtigen ökonomischen Probleme in vielen Teilen der Welt wirken sich direkt auf unser Hafengeschäft aus. Dies kann und darf uns aber nicht von dem Kurs abbringen, weiter in die Zukunftsfähigkeit unserer Häfen zu investieren", sagte Bremens Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen, Martin Günthner, am Montag, 14.12.2015 vor der Landespressekonferenz im Bremer Rathaus.

Die Entwicklung der Weltwirtschaft, vor allem die wirtschaftliche Abkühlung in China, die Rückgänge im Handel mit Russland sowie die gesunkene Güternachfrage in Schwellenländern, würden sich auch in den Häfen Bremen und Bremerhaven unmittelbar in den Umschlagszahlen abbilden.

Nach vorläufigen Schätzungen wird der Seegüterumschlag im Zwei-Städte-Staat in diesem Jahr um 4,8 Prozent zurückgehen. Laut Senator Günthner ist mit einer Umschlagsleistung von insgesamt 74,5 Millionen Tonnen zu rechnen (2014: 78,2 Millionen Tonnen). Der in den bremischen Häfen traditionell außerordentlich starke Stückgutbereich wird gegenüber 2014 um etwa 6 Prozent auf 64,7 Millionen Tonnen sinken. Das konventionelle Stückgut erreicht trotz aller widrigen Bedingungen noch eine Größenordnung von 8,6 Millionen Tonnen (minus 4,2 Prozent), während beim containerisierten Stückgut ein Rückgang von 6,3 Prozent auf 56,2 Millionen Tonnen erwartet wird. Rechnet man die Anzahl der Standardcontainern (TEU), dann wird für Bremerhaven mit 5,6 Millionen TEU ein Minus von 3,6 Prozent vorhergesagt – was für Bremerhaven immer noch eines der besten Ergebnisse bedeutet. Auch strukturelle Veränderungen in der Container-Schifffahrt einschließlich des Transshipments macht der Senator für die Ergebnisse verantwortlich.

Zufrieden zeigte sich Günthner mit der Entwicklung in der Automobillogistik. Der Umschlag von Fahrzeugen werde 2015 mit 2,2 Millionen Einheiten in etwa das Vorjahresniveau erreichen.

Für das größte Umschlags- und Logistikunternehmen im Lande Bremen, die BLG Logistics Group, stellte deren Vorstandsvorsitzender, Frank Dreeke, fest: „Am Ende wird das Jahr 2015 mit Zahlen für die bremischen Häfen aufwarten, die sich nicht allzu sehr von denen des Geschäftsjahrs 2014 unterscheiden werden“. Dennoch würden sich gravierende Veränderungen vollziehen, die sowohl konjunkturelle Entwicklungen in einzelnen Regionen der Welt aber auch Transportwege und sich verändernde Produktionsstandorte betreffen. Dreeke: „Sie hängen mit historisch niedrigen Rohstoffpreisen für Erdöl und Erdgas zusammen oder mit dem Ende der Containerisierung und einem nicht weiter anwachsenden Grad an globaler Arbeitsteilung.“

Massengut hat in den bremischen Häfen keine herausragende Bedeutung. Umso erfreulicher ist die Entwicklung in 2015. Der Umschlag wird danach gegenüber dem Vorjahr um 4,2 Prozent auf insgesamt 9,8 Millionen Tonnen ansteigen.

Die Häfen in Bremerhaven und Bremen sind ohne Zweifel der größte Arbeitgeber im Bundesland Bremen. Deshalb finden die erforderlichen Investitionen in die Zukunftsfähigkeit der Häfen zumeist eine breite Zustimmung. Im Mittelpunkt der aktuellen bremischen Hafen-Investitionen steht das Großprojekt Offshore-Terminal Bremerhaven (OTB) von dem Senator Günthner überzeugt ist, dass diese Hafenanlage dringend benötigt wird, um die Entwicklung des Industrie- und Logistikstandorts Bremerhaven zum führenden Zentrum der Offshore-Windenergie voranzutreiben und abzusichern. Günthner: „Der Ende November vom Bremer Umwelt- und Bausenator vorgelegte Planfeststellungsbeschluss markiert einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Realisierung des 180-Millionen-Projekts“. Der 25 Hektar große OTB wird der Vormontage und dem Umschlag von bis zu 160 Offshore-Windenenergieanlagen jährlich dienen und soll 2019 in Betrieb genommen werden. Günthner appellierte zugleich an den Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland, vor dem Hintergrund der Einigung beim Klimagipfel in Paris die Klage gegen das Offshoreprojekt noch einmal kritisch zu überprüfen. Robert Howe, technischer Geschäftsführer der Hafenmanagementgesellschaft bremenports ergänzt: "Der OTB ist ein Hafen für die Umwelt. Er wird die Energiewende in Deutschland unterstützen und absichern." Bei den ökologischen Ausgleichsmaßnahmen für den Hafenbau im Blexer Bogen habe bremenports bereits erhebliche Vorleistungen erbracht: im Tidepolder auf der Luneplate sei eine neue, ausgedehnte Wattfläche geschaffen worden, die schon jetzt zum Lebens- und Rückzugsraum für zahllose Säbelschnäbler geworden ist. Howe weiter: „Die Tiere wechseln in großer Zahl vom Weserufer in den geschützten Polder, weil sie dort nicht durch Schiffsverkehr und Wellengang gestört werden."

Weitere rund 30 Millionen Euro fließen in den Ausbau der Hafeneisenbahn in Bremerhaven. Dort wird der Bahnhofsbereich Imsumer Deich in den kommenden Jahren von 8 auf 16 Parallelgleise erweitert. Das Projekt ist Teil eines Investitionspakets in Höhe von etwa 40 Millionen Euro, mit dem die Freie Hansestadt Bremen in diesem Jahrzehnt ihre Hafenbahnanlagen erweitert, um dem wachsenden Bedarf gerecht zu werden. Bremerhaven ist Start- und Zielort für durchschnittlich etwa 580 Güterzüge pro Woche und ein Anstieg auf knapp 800 Züge wöchentlich wird erwartet. "Um den Verkehrsinfarkt zu verhindern, muss die Schiene bei uns noch leistungsfähiger werden", sagte bremenports-Geschäftsführer Howe. "Der Überseehafen Bremerhaven bringt es derzeit auf etwa 30.000 Güterzüge jährlich; diese Zahl wird weiter steigen."

Lob für die Hafenbauer von bremenports äußerte Hans-Joachim Schnitger, Präsident der BHV Bremische Hafenvertretung: „Dass die Kaiserschleuse in Bremerhaven endlich wieder voll einsatzfähig ist, begrüßt die Hafenwirtschaft sehr. Damit ist der Engpass beseitigt und die Erreichbarkeit der Häfen im abgeschleusten Bereich von Bremerhaven gewährleistet“. Nur dank guter Planung aller Beteiligten, sowohl in den Hafenbetrieben als auch im Schleusen- und Hafenbetrieb, seien Störungen zu Lasten der Kundschaft vermieden worden.

Bei der Verkehrsinfrastruktur im Zu- und Ablauf der bremischen Häfen sieht Schnitger weiter Handlungsbedarf, insbesondere bei der A 281 in Bremen und bei der Lösung des Engpasses im Eisenbahnknoten Bremen. Er verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass die bremischen Häfen das Vierfache des Hafens Hamburg an konventionellem und damit beschäftigungsintensivem Stückgut umschlagen. „Die bremische Hafenwirtschaft hat die Botschaft vernommen, dass es nun bald an der A 281 weitergehen und dass die Engpass-Situation auf der Schiene im Knoten Bremen durch einen Bypass über Bremervörde und Rothenburg entschärft werden soll. Sie hat vernommen, dass die Mittelweser für das Großmotorgüterschiff – wenn auch mit Einschränkungen – befahrbar gemacht wird“. Diese Botschaften seien in der Hafenwirtschaft angekommen, aber man habe bereits eine viel zu lange Zeit des Wartens auf die Baumaßnahmen hinter sich und fordere nun endlich sichtbare Ergebnisse.

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