Abfalltransporte just-in-time

Wie Pro-Log bei der Bremer Abfalltransport-Logistik disponiert – und schnelle Hilfe für den Umwelt-Notdienst bietet

Pro-Log Fahrer Jörg Nehrlich beim Reinigen eines Kippers. Foto: Pro-Log
04. Dezember 2017 - in Häfen & Logistik

Das Bremer Unternehmen Pro-Log ist auf den Transport von Abfällen zu Recyclingstationen und Müllverbrennungsanlagen spezialisiert. Geschäftsführer Henning Mahlstedt erläutert die Anforderungen an den Abfalltransport – und wie das Unternehmen auch bei Umwelt-Notfällen schnell zur Stelle ist.

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#Binnenschifffahrt

Beim Verbrennen von Müll wird Energie gewonnen. Der Anteil von aus Abfall gewonnenen Sekundärbrennstoffen steigt stetig, weil sie einen Beitrag zum nachhaltigen Wirtschaften leisten. Das Bremer Unternehmen Pro-Log ist auf den Transport von Abfällen zu Recyclingstationen und Müllverbrennungsanlagen spezialisiert. Im Gespräch erläutert Henning Mahlstedt, Geschäftsführer von Pro-Log die Anforderungen an den Abfalltransport – und wie das Unternehmen auch bei Umwelt-Notfällen schnell zur Stelle ist.

Herr Mahlstedt, Abfall scheint weite Wege zurückzulegen. Wer auf unseren Straßen unterwegs ist, sieht zahlreiche Lkws mit einem großen Schild, auf dem nur ein Buchstabe steht: ein großes „A“. 

Henning Mahlstedt: Der Transport von Müll und seine Entsorgung sind die Kehrseite des zunehmenden Gütertransports. Der meiste Abfall, der in Bremen verbrannt wird – beispielsweise bei der swb – stammt aus der Umgebung. Aber es kommt auch Müll aus Italien oder England nach Bremen, wenn die dortigen Verbrennungskapazitäten nicht ausreichen. Ökologisch sind kurze Transportwege natürlich sinnvoll, doch nicht immer ist eine Müllverbrennungsanlage oder eine Recyclinganlage unmittelbar vor Ort.


Gibt es besondere Regelungen für den Abfalltransport über Ländergrenzen hinweg? 

Henning Mahlstedt: Unternehmen, die Abfall grenzüberschreitend transportieren, müssen im jeweiligen europäischen Land notifiziert sein, das heißt eine Genehmigung dafür haben. Der Müll muss taggenau geladen werden, und für den Transport gibt es außerdem festgelegte Routen, die der Fahrer zwingend einhalten muss. Es gibt in diesem Bereich sehr hohe Auflagen. Wir arbeiten in einem hochwichtigen Sektor – und einem hochgefährlichen Sektor, wenn man es so nennen will. Da darf natürlich nichts schief laufen. Prozesse wie die Notifizierungen sind daher eindeutig sinnvoll. Weil wir uns noch weiter flexibilisieren möchten, sind wir allerdings auf eine zügige Notifizierung von neuen Unternehmen, mit denen wir zusammenarbeiten, angewiesen. Da wünschen wir uns eine schnellere Bearbeitung vor Ort.

Welche Auflagen gibt es bei der Müllentsorgung und beim Mülltransport?

Henning Mahlstedt: Gewerbetreibende müssen nachweisen, dass sie ihren Müll sicher entsorgen. Die Abfallentsorgung wird streng überprüft und überwacht – heutzutage sogar per Satellit.Unternehmen, die sich nicht daran halten, müssen mit hohen Bußgeldern oder Strafen rechnen. Da kommen wir ins Spiel, denn wir bescheinigen dem Unternehmen, dass wir den Müll angenommen haben – ab da ist er in unserer Verantwortung. Wir können nachweisen, in welcher Anlage er gelandet ist. Pro-Log ist als Entsorgungsfachbetrieb zertifiziert, außerdem haben wir ein internes Qualitätsmanagement. Das bedeutet zwar einen hohen Aufwand für uns, doch es garantiert auch die Qualität, die wir liefern können. Wir haben gut ausgebildete Fahrer und einen Fuhrpark aus Transportfahrzeugen, die für jede Ladung spezialisiert sind, auch schlamm- und wasserdichte Kipper oder Lkws für Gefahrgüter.

Henning Mahlstedt, Geschäftsführer der Pro-Log Transport & Logistik GmbH Bremen im Gespräch Foto: Pro-Log

Welche Ladungen transportiert Pro-Log?

Henning Mahlstedt: Wir transportieren Hausmüll, Gewerbeabfälle, Klärschlamm, Ölschlamm und andere Schlämme, aber auch Gefahrgüter, Ersatzbrennstoffe und Sekundärrohstoffe, also Brennstoffe aus Abfall. Die eigentliche Müllaufbereitung findet in der Regel bei unserem Auftraggeber, also beispielsweise der Firma Nehlsen statt.

Wir bilden dann transportseitig den kompletten Wertstromprozess von verbrennbaren bis zu wiederverwertbaren Abfällen ab.

Aber auch in Notfällen können wir schnell einspringen: Beispielsweise bei der Havarie eines Containerschiffs, das gefährliche Stoffe geladen hat. Nach der Entsorgung können wir die gefährlichen Abfälle aufnehmen und mit unseren Schubböden und Kippern dann die eigentliche Transportdienstleistung zur Betriebsstelle machen. Auch Tierseuchen wie eine Vogelgrippe können wir im Notfall abwickeln und mit unserem Equipment beim Transport einspringen.

Mülltransport ist also alles andere als Routine?

Henning Mahlstedt: Genau, wir stellen die Transportwege für die kommende Woche jeweils neu zusammen. Dabei spielt es auch eine Rolle, was Kraftwerke annehmen können und welche Kontingente bei ihnen frei sind. Müll ist nicht gleich Müll – manchmal haben wir beispielsweise ausschließlich niederkalorischen Müll, das heißt Sekundärbrennstoffe mit einem niedrigen Heizwert. Alle Brennstoffe müssen den kraftwerks- und anlagenspezifischen Anforderungen entsprechen. Daher ist es notwendig, dass es verschiedene Müllheizwerke gibt. Wir können als Transportdienstleister keine festen Routen oder Abläufe installieren und müssen entsprechend individuell planen. Mitunter brauchen wir weitere Fahrer oder müssen zusätzliche Fahrzeuge binden.

Bei den Rückfahrten bietet sich sicherlich nicht jede Fracht an, weil die Lkws auf bestimmte Ladungen spezialisiert sind?

Henning Mahlstedt: Wir sind da sicher eher in einer Nische als beispielsweise Planen- oder Kühlfahrzeuge, aber wir haben ein gutes Netz an Auftraggebern – und mit Schubböden und Kippern kann man ausreichend Fracht finden. Natürlich können wir nicht alle Schüttgüter transportieren. Weil wir im Abfallsektor tätig sind, entfällt der komplette Getreidetransport, da haben wir genehmigungstechnisch keine Chance. Trotzdem gibt es – leider oder zum Glück, je nachdem wie man es sieht – so viele Stoffe in Deutschland, die gefahren werden müssen, dass wir immer Ladung für unsere Fahrzeuge finden. Wir transportieren beispielsweise Sand, Splitt, Granit oder Gips und saisonabhängig zum Beispiel Torf und Salz.

Ist es eigentlich schwierig, gute Fahrer für die speziellen Fahrzeuge und Ladungen zu finden?

Henning Mahlstedt: Im Moment ist es nicht einfach, gute Fahrer zu bekommen. Der Einstieg ist relativ schwer geworden, denn der Führerschein ist vergleichsweise teuer und Fahrer müssen verschiedene Modulschulungen nachweisen. Früher haben viele Fahrer ihren Führerschein bei der Bundeswehr gemacht, das gibt es heute nicht mehr oft. 

Hinzu kommt ein eher gesellschaftliches Thema: Das früher romantisch-verklärte Bild des Fernfahrers, der sein Leben im Lkw bestreitet, ist heute nicht mehr für alle attraktiv. Es ist meiner Erfahrung nach schwer, junge Leute zu motivieren, den Beruf des Kraftfahrers dauerhaft ausüben zu wollen. Wir beschäftigen allerdings noch Fahrer, die wir 2006 bei der Gründung von den Unternehmen, aus denen Pro-Log hervorgegangen ist, übernommen haben. Angestellte, die loyal zu ihrem Arbeitgeber sind und große Erfahrung haben, möchten wir natürlich gern behalten. 

Hat sich das Berufsbild des Fahrers gewandelt?

Henning Mahlstedt: Ja, Fahrer müssen heute präsenter sein, mehr mitdenken und die Kommunikation aktiv gestalten. Heutzutage sind wir über die Cockpitvernetzung ständig im Austausch und wissen durch Navigation und GPS immer, wo der Lkw gerade unterwegs ist. Das Phänomen kennen wir ja auch aus der Bürokommunikation: Abfragen sind viel schneller geworden. Früher hatte man die Möglichkeit zu sagen „Ich erreiche den Fahrer gerade nicht“. Doch heute erwarten Kunden, dass Anfragen innerhalb kurzer Zeit beantwortet und Details zum Laden oder Entladen weitergegeben werden. Das bedeutet für den Fahrer im Lkw einen viel größeren Aufwand als früher. 

 

Wenn gute Fahrer rar sind – ist dann autonomes Fahren in der Abfalltransportbranche ein Thema?

Henning Mahlstedt: Autonomes Fahren wird viel diskutiert, und es ist natürlich interessant, dass etwa bei Kolonnenfahrten – Stichwort Platooning – durch den extrem kurzen Abstand der Fahrzeuge der Rollwiderstand verringert wird. Doch unser Geschäft ist dafür zu heterogen: Wir haben einfach keine größere Anzahl Lkws, die so hintereinander fahren könnten ...

 

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Mahlstedt!

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